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Gebrauchte Wohnmobile von privat: Riskanter Kauf oder Schnäppchengarant?

Gebrauchte Wohnmobile von privat
Gebrauchte Wohnmobile von privat: Riskanter Kauf oder Schnäppchengarant? - Foto: © IMphoto #452714474 – stock.adobe.com

Ein Wohnmobil ist nicht weniger als die totale automobile Freiheit, was Freizeit und Urlaube anbelangt. Ob Van-Life oder die Reise mit dem Wohnmobil, diese Art des Urlaubs liegt im Trend!
Und natürlich haben gerade moderne, sehr komfortabel ausgestattete Stücke ihren gerechtfertigten Preis. Für viele Menschen, die beispielsweise durch vorheriges Mieten diese Camping-Variante für sich entdeckt haben, wird daher der Kauf eines Gebrauchtfahrzeugs interessant. Ganz ähnlich, wie bei praktisch jedem anderen Fahrzeug besteht dann die Option, entweder beim Händler oder aus privater Hand zu erwerben.
Wenn Sie sich mit dem Gedanken an letzteres tragen, sollten Sie den folgenden Artikel durchlesen. Darin haben wir für Sie analysiert, ob das eine lohnenswerte Entscheidung ist; speziell für Menschen, die noch tieferen Erfahrungen haben.

Das Thema Kaufpreis

Der wohl wichtigste Grund, um sich für ein Gebrauchtfahrzeug zu entscheiden, besteht darin, dafür deutlich weniger Geld als für ein brandneues Wohnmobil ausgeben zu müssen. Selbst, wenn das Wohnmobil noch jung ist und wenige Kilometer auf dem Tacho hat, sind die Preisnachlässe oft dramatisch.

Allerdings sind Privatleute meist keine Routiniers, was Wertanalyse und somit Preisgestaltung anbelangt. Für Sie erwachsen daraus mehrere Herausforderungen:

  • Die Preisgestaltung erfolgt bei Privatleuten nur selten anhand festgelegter Faktoren.
  • Es fehlt die Erfahrung, um den Wert angemessen taxieren zu können.
  • Häufig kommen Emotionen ins Spiel. Nicht zuletzt dann, wenn im Fahrzeug schöne Erinnerungen stecken.

Sie können durchaus auf ein Privatangebot stoßen, dessen Preis tatsächlich extrem niedrig ist. Das ist jedoch heutzutage – nicht zuletzt dank des Internets – die Ausnahme. In aller Regel tendieren Privatiers dazu, ihr Wohnmobil höher anzusetzen, als es aufgrund von Alter, Ausstattung und Fahrleistung realistisch wäre.
Umgekehrt verläuft es bei Händlern. Hier sind keine Emotionen im Spiel, sondern zählen nur nüchterne Wertermittlungskriterien. Außerdem kommt professionelle Expertise hinzu: Händler können ein so komplexes Fahrzeug deutlich seriöser begutachten und den Wert aufgrund des Ist-Zustandes taxieren.

Wohnmobil Besichtigung
Selbst, wenn das Wohnmobil noch jung ist und wenige Kilometer auf dem Tacho hat, sind die Preisnachlässe oft dramatisch – Foto: © Kzenon #422127613 – stock.adobe.com

Natürlich wird deshalb kaum ein Händler ein Fahrzeug unter Wert verkaufen. Dafür können Sie sich jedoch sicher sein, ein buchstäblich „preiswertes“ Wohnmobil zu erwerben.

Zudem müssen Sie die Vielfalt und Zugänglichkeit moderner Finanzierungsoptionen bedenken: Selbst, wenn ein Wohnmobil beim Händler dadurch vielleicht etwas teurer ausfällt als eines, bei dem Sie das Glück haben, dass der Privatverkäufer den Preis zu niedrig angesetzt hat, können Sie heute einen passenden Autokredit finden und somit Ihre persönliche Belastung praktisch unmerklich niedrig halten.

Zwischenfazit: Privatleute kalkulieren oft unrealistische Preise – häufig unrealistisch hoch. Bei Händlern hingegen zahlen Sie immer das, was ein Gebraucht-Wohnmobil tatsächlich wert ist.

Das Thema Um- und Einbauten

Die Ansprüche beim Campen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Viele Wohnmobilbesitzer personalisieren deshalb ihre Fahrzeuge durch Ein- und Umbauten.
Prinzipiell ist daran nichts auszusetzen. Allerdings entstehen daraus erneut mehrere Herausforderungen für Sie:

  • Privatleute tendieren dazu, solche Umbauten als deutlich zu wertvoll zu taxieren, wohingegen in der Realität der Einfluss auf den Preis stark von der Art der Maßnahme und deren Interessentenkreis abhängt. Denken Sie etwa an ein CB-Funkgerät. Wenn Sie nicht selbst funken möchten, hat es für Sie keinen Mehrwert, Sie müssten jedoch trotzdem den Aufpreis bezahlen.
  • Die Durchführung erfolgte häufig ebenfalls privat. Hat der TÜV bei eintragungspflichtigen Arbeiten sein Okay gegeben, ist das zwar unbedenklich. Wo das jedoch nicht nötig ist, kann die Wertigkeit der Arbeiten beträchtlich schwanken.
  • Mitunter bestehen Privatbesitzer darauf, vor dem Verkauf bestimmte Einbauten wieder auszubauen. Dann haben Sie mitunter das Problem, dafür gesägte Löcher und dergleichen verschließen zu müssen – häufig geht das nur durch Austausch größerer Bauteile.

Natürlich kaufen Händler auch personalisierte Wohnmobile an. Allerdings achten Sie dabei darauf, a) nur Fahrzeuge mit breitenkompatiblen Maßnahmen zu erwerben; b) bei weniger interessanten Maßnahmen die Rückrüstungsarbeiten zu übernehmen und c) kalkulieren Sie den Wert solcher Maßnahmen abermals nüchtern und realistisch.
Nicht alles, was ein Vorbesitzer als wertsteigernd ansieht, rechtfertigt einen Preisaufschlag.

Zwischenfazit: Wohnmobilbesitzer sehen eigene Personalisierungsmaßnahmen oft als zu wertvoll an und offerieren vielfach Fahrzeuge, deren An- und Umbauten für Sie mehr Last als Lust sind. Händler dagegen kaufen nur Fahrzeuge mit sinnvollen, professionell durchgeführten Maßnahmen an und taxieren überdies deren Wert realistisch.

Ein- und Umbauten im Wohnmobil
Viele Wohnmobilbesitzer personalisieren ihre Fahrzeuge durch Ein- und Umbauten – Foto: © auremar #134268572 – stock.adobe.com

Die Fahrzeughistorie samt Wartung

Die allermeisten Wohnmobile sind Langstreckenfahrzeuge. Grundsätzlich ist das für Sie als Gebrauchtfahrzeug-Interessent immer gut. Denn Langstrecke ist für Verbrennungsmotoren und die weitere Antriebstechnik die schonendste Betriebsweise. Das liegt an einem Betreiben auf optimalen Betriebstemperaturen.

Bei Gebrauchten von privat allerdings bestehen diesbezüglich abermals verschiedene Herausforderungen:

  • Sie haben außer dem Fahrzeugbrief und einem etwaigen Wartungs- bzw. Scheckheft keine Möglichkeit, die Fahrzeughistorie detailliert nachzuvollziehen.
  • Längst nicht alle Besitzer lassen ihre Reisemobile exakt in den Zeiträumen und mit den Arbeitsschritten professionell warten, welche die Hersteller vorgeben.
  • Viele Privatpersonen investieren kein Geld in ein Fahrzeug, das sie sowieso verkaufen möchten. Dementsprechend ist das Risiko recht groß, ein Wohnmobil zu erwerben, das einen Wartungsstau hat, bei dem vielleicht die TÜV-Plakette bald abgelaufen ist und das deshalb zusätzliche Kosten verursacht.

Natürlich, auch Händler haben keinen besseren Einblick in die Historie eines Wohnmobils. Sie können ebenfalls nicht erkennen, ob das Fahrzeug beispielsweise immer schonend gefahren wurde.

Wartung Reisemobil
Längst nicht alle Besitzer lassen ihre Reisemobile exakt in den Zeiträumen und mit den Arbeitsschritten professionell warten, welche die Hersteller vorgeben – Foto: © auremar #384596414 – stock.adobe.com

Allerdings müssen Sie erneut die Expertise der Profis bedenken: Händler können durchaus erkennen, wie gut und sorgsam ein Fahrzeug gewartet wurde, ob ein Wartungsstau besteht. Vor allem aber prüfen sie jedes Wohnmobil gründlich auf Herz und Nieren, bevor sie es ankaufen. Stehen Arbeiten an, werden sie vor einem Verkauf durchgeführt – inklusive frischer Hauptuntersuchung.

Zwischenfazit: Gebrauchte von privat haben oftmals den Charakter einer „Katze im Sack“, wohingegen Händler jedes Reisemobil gründlich überprüfen, aufarbeiten und warten, bevor es neuen Kunden offeriert wird.

Das mangelnde Technikwissen beider Parteien

Sind Sie gelernter Fahrzeugmechatroniker? Dann dürften Sie nicht nur wissen, was alles an einem Fahrzeug defekt gehen kann, sondern überdies, worauf Sie achten müssen, um sich anbahnende Defekte überhaupt erkennen zu können.
Viele Wohnmobilbesitzer haben dieses Wissen nicht. Dadurch verkaufen sie oftmals ein Fahrzeug, bei dem sich mitunter schon bald ein größerer Schaden einstellt – der bei besserer Kenntnis der Materie hätte erkannt werden können.

Natürlich ist es rechtlich selbst für Privatleute verboten, Mängel beim Verkauf zu verschweigen. Nur existiert hierbei zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ ein breiter Graben. Im Zweifelsfall müssen Sie als Käufer das Verschweigen nachweisen.
Alljährlich finden zahlreiche diesbezügliche Gerichtsprozesse statt. Selbst wenn Sie erfolgreich ausgehen, bedeuten Sie für den Käufer Ärger und Verzögerung, wo es doch eigentlich um ein Fahrzeug für die schönsten Tage des Jahres geht.

Erneut gilt: Händler prüfen jedes Fahrzeug, das sie ankaufen, sehr genau. Gibt es große bestehende oder sich anbahnende Mängel, kaufen sie es gar nicht erst an. Und kleinere Mängel werden selbstverständlich behoben, bevor das Freizeitmobil in den Showroom rollen darf.

Zwischenfazit: Viele Privatleute haben nicht das Wissen, um sich anbahnende Schäden zu erkennen. Es wechseln deshalb Fahrzeuge den Besitzer, bei denen schon kurz danach teils kostspielige Schäden auftreten, wohingegen Händler beim Verkauf immer Mängelfreiheit sicherstellen.

Die gravierenden Unterschiede von Gewährleistung und Mängelhaftung

Unser Rechtssystem erkennt an, dass private Verkäufer meist technische Laien sind. Für Sie bedeutet das in der Praxis eines: Jeder Privatverkäufer hat das Recht, sich im Kaufvertrag von jeglicher Haftung für Mängel am Reisemobil freizusprechen.

Alles, was nach Vertragsunterzeichnung auftritt, geschieht deshalb zu Ihren Lasten. Sie haben (außer dem erwähnten arglistigen Verschweigen) kein Recht auf Nachbesserung auf Kosten des Verkäufers oder gar Rückgabe. Was das bei einem Gebrauchten bedeuten kann, können Sie sich wahrscheinlich vorstellen.

Vollkommen anders sieht es bei Händlern aus. Sie unterliegen (übrigens in der ganzen EU) einer äußerst umfassenden Gewährleistungspflicht. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass trotzdem nach dem Verkauf ein Schaden auftreten sollte, haben Sie als Käufer Recht auf Nachbesserung – auf Händlerkosten.

Plus: Gelingt das beim selben Schaden zweimalig nicht, haben Sie außerdem einen Anspruch auf Rückgabe und Kaufpreiserstattung.

Gesamtfazit: Gebrauchte Freizeitmobile vom Händler sind die sichere, preiswertere Option

Es gibt Menschen, die haben ein Wohnmobil von privat erworben und dabei einen in jeglicher Hinsicht äußerst erfreulichen Kauf gemacht: Ungewöhnlich niedriger Preis, Bestzustand, keinerlei Wartungsstau oder Mängel. Bloß ist das in der Realität leider die Ausnahme.

Gerade dann, wenn Sie keine große Erfahrung mit Fahrzeugen im Allgemeinen und Wohnmobilen im Speziellen haben, ist der Kauf eines Gebrauchten beim Händler deshalb die für Sie rundherum sicherere Option. Natürlich gibt es kaum eine Chance, ein Fahrzeug zu finden, das deutlich unter Wert verkauft wird. Im Gegenzug erwerben Sie jedoch buchstäblich Sicherheit:

Ein Freizeitmobil,

  • bei dem keine Wartungen anstehen,
  • bei dem alle technisch erforderlichen Untersuchungen durchgeführt wurden,
  • das nur nachträgliche Einbauten hat, die wirklich von Interesse für Sie sind,
  • das von Profis gewartet und aufbereitet wurde,
  • in dem sich keine versteckten Mängel verbergen und
  • bei dem Sie jederzeit das Recht auf Gewährleistung haben.

Wohl jeder möchte einen Gebrauchten erwerben, der technisch so gut dasteht, wie es der Gebrauchtzustand erlaubt. Nur der Gang zum Händler garantiert Ihnen dies bei wirklich jedem Reisemobil – und immer zu Preisen, die wirklich „fair“ sind.